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Die Halsdorfer Diemer-Vogteien
  
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Die Halsdorfer Diemer-Vogteien
Die Geschichte zweier Stockgüter in der ehemaligen Grafschaft Vianden

Ein Datum zu bestimmen, wann genau im Laufe des 16. Jahrhunderts den ersten Vertretern der Diemer-Familie in Halsdorf (heute Verbandsgemeinde Bitburg-Land) von der „Viandener“ Herrschaft ein Stockgut anvertraut wurde, dürfte nur möglich sein, wenn in Den Haag aufbewahrte Dokumente, die Grafschaft Vianden betreffend, einsehbar wären. - Die niederländische Botschaft in Luxemburg könnte dem Schreiber eventuell behilflich sein ...

1576 gab es in Halsdorf, laut der Ahnenforscherin S. T. aus Freilingen/Nusbaum, bereits drei Stockgüter (im Eifeler Raum gebräuchliche Bezeichnung für Vogteien). Dieselben unterstanden Hans Metzen, Hans Schiltz resp. den Brüdern Hans und Michel Dumers (falsche Schreibweise des Nachnamens Diemers), die zusammen im „Dumerhaus“ wohnten.

In seiner „Chronik von Mettendorf“ (Halsdorf gehörte einst zu dieser Pfarrei), herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde im Trierer Raum, 1957, schrieb Klaus Hamper:“ Zu Beginn des Jahres 1615 beauftragt Philipp, Prinz von Oranien, Graf von Nassau und Vianden, seinen Rentmeister Gilles (Ägidius) Bouvet, ein neues Verzeichnis (Kartular) aller Besitzungen aufzustellen.“

Die Namen der Stockgüter waren dieselben wie 1576, aber es gab deren nunmehr vier, denn dem Dumers Hans hatte die Viandener Herrschaft mittlerweile ein eigenes Stockgut zugewiesen. - Dumers Michael war im alten Dumerhaus geblieben, und das Stockgut seines Bruders erhielt den Namen Dimerhans, um die beiden Güter zu unterscheiden. Und so entstand auch ein neuer Familienname: Dimerhans.

1777 wird unter Maria Theresia erneut eine Schatzungsrolle der Häuser und Liegenschaften erstellt: In Halsdorf findet man immer noch dieselben Stockgüter wie 162 Jahre zuvor, wenngleich sie flächenmäßig beträchtlich vergrößert wurden. Und selbstverständlich haben sich die Vornamen der Verwalter geändert: Im alten Dumer-/Diemer-Haus hat Dumers Valentin die Meisterschaft übernommen, auf dem Dumerhans-Hof ein Valentin, in der Metzen-Familie ein Mathias und bei den Schiltz ein Johann. Erwähnt wird auch ein Backes Johann, ohne eigenes Haus - er wohnte wohl in der Dorf-„Backes“ - und eigene Güter.

Auf den ersten Blick scheint demnach alles beim Alten geblieben zu sein im Eifeldorf des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Und doch hat sich im Jahre des Herrn 1777 gar Schreckliches auf der Halsdorfer Gemarkung zugetragen: Am 8. August wurde der Metzenbauer ermordet. Derselbe stammte eigentlich aus Brimingen und hatte als Mathias Heintzen in den Stockhof Metzen eingeheiratet. Danach hatte er, wie damals üblich, den Hausnamen, in diesem Fall „Metzen“, angenommen.


Der „Koltermord“ von Halsdorf
Laut dem verdienstvollen Mettendorfer Lokalhistoriker Norbert Meyer, der, wie wohl kein anderer, die Geschichte seiner Gemeinde und der ganzen Region auf beiden Seiten des Enztals erforscht hat, wurde Mathias Metzen beim Pflügen, nach einer Streitigkeit bezüglich der Feldgrenze, vom Nachbarn mit einem Kolter (Pflugmesser) erschlagen*. Glaubt man dem „Volksmund“, so soll es sich bei dem Täter um einen Mann vom Diemerhans-Hof gehandelt haben. Nicht gänzlich geklärt ist, ob der Bauer persönlich für den Mord verantwortlich war oder einer seiner Knechte. Erschwert wurde seinerzeit die gerichtliche Untersuchung durch den Umstand, dass der Tote teils auf Viandener, teils auf Bettinger Herrschaftsgebiet „ruhend“, quasi auf der Grenze also, gefunden wurde. – Um mehr über dieses grausame Verbrechen zu erfahren, könnte eventuell die diesbezügliche, in Koblenz aufbewahrte Gerichtsakte Aufschluss geben.

Nicht weit vom Tatort entfernt, an der Straße zwischen Halsdorf und Olsdorf steht heute noch ein Wegkreuz, das so genannte „Metzen-Kreuz“ mit der Jahreszahl 1777 und dem Namen des Opfers, „Matias Medzen“: Der Steinmetz hat ein liegendes Männlein, den Ermordeten, in einem Hochrelief darstellend, aus dem Stein gearbeitet, und darüber ist eine Art Keil, die schon erwähnte Tat-„Waffe“, ein Pflugmesser, zu erkennen.

Der Dimerhans-Stockhof wurde, in der darauf folgenden, für die Familie sicherlich turbulenten Zeit, geteilt, und das Wohnhaus in den Stall hinein erweitert. Dieser Umbau ist auf dem Sturz des Eingangsportals auf das Jahr 1786 datiert und auf dem Keilstein liest man den Namen Matias Dimerhans. Immerhin sollte dieses Diemer-Gut fortbestehen bis Ende des 19. Jahrhunderts, als aus der Familie gleich mehrere Pfarrer hervorgingen, die in ihren Gebeten sicherlich des hundert Jahre zuvor auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Matias Medzen gedachten... Die Dimerhans-Familie ist dann aber, im Laufe des 20. Jahrhunderts, ausgestorben.

Und auch die andere Diemer-Familie, jene aus dem ersten Dumers/Diemers-Stockhof, von dem des Schreibers Vorfahren stammen, blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont. Hatte ein Johann Doemer/Diemer** 1666 noch aus eigenen Mitteln in Halsdorf eine Kapelle erbauen lassen und 1668 zu deren Unterhalt Ländereien zur Verfügung gestellt, so ist nur schwer verständlich, wie es kommen konnte, dass eine Familie, die, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, offenbar noch recht wohlhabend war, nicht einmal ein halbes Jahrhundert später, am finanziellen Abgrund stand: Einer von Johann Doemers Nachkommen – es müsste sich dabei um Mathias Dümers, des Schreibers fünffachen Urgroßvater handeln – hat die Vogtei Anfang der siebzehnhunderter Jahre in den Ruin geführt. Schuld an der wirtschaftlichen Misere des Gutes waren allerdings auch besonders widrige Umstände: Missernten und ein überaus harter Winter 1709/10 „ mit Temperaturen um minus 30° und Schneefällen bis in den Mai. Der geringe Viehbestand ist dezimiert und alle Obstbäume sind erfroren. Die Folge ist eine allgemeine Hungersnot“, so Norbert Meyer in seiner „Chronik der Familien Ackels in Mettendorf“, haben wesentlich dazu beigetragen.


1712: Das Diemer-Stockgut kommt in neue Hände

Doch der Viandener Rentmeister, ein eiskalter Steuereintreiber derer von Oranien-Nassau, kennt weder Gnade noch christliche Barmherzigkeit: Dem Halsdorfer Diemer-Bauern, welcher vier bis fünf Jahre mit den Zins-Zahlungen im Rückstand liegt, lässt er „das Feuer löschen“; die Vogtei wird „verrufen“ und 1712, „bei versammeltem Jahrgeding“ an Theodor Hack („Hacken Dietz“) aus Bettingen versteigert.

Laut einer am 2. Januar 1717 in der Amtsstube des Viandener Notars Jean François Adami getroffenen Vereinbarung, zieht Hack mit seinem Schwiegersohn Wilhelm Hoor, vom Hoor-Hof bei Olsdorf, in das Diemer-Haus ein. Hack überlässt Hoor, welcher den Nachnamen Diemer annimmt, die Meisterschaft über das Stockgut.

Was danach aus den „alten“ Diemer wurde, lässt sich nicht ohne weiteres nachvollziehen. – Glück im Unglück hatte die Familie noch, weil sie sowohl mit den Hack als auch mit den Hoor seit Generationen verwandtschaftlich verbunden war. Außerdem war eine von Wilhelms Schwestern mit einem Halsdorfer Diemer Theis (Mathias) verheiratet. Denn als Wilhelms Sohn Friedrich (Fritz), in den Longsdorfer Kohnen-Hof einheiratet und durch notarielle Übereinkunft (30. November 1734 / Notar J.F. Adami, Vianden) die Meisterschaft übernimmt, trägt dieses Schreiben, in dem er den Diemer Theis aus Halsdorf als seinen Schwager bezeichnet, auch dessen Unterschrift ...

Es scheint demnach, als hätten die „alten“ (meine) Diemer, beim Einzug des „neuen“ Herrn in die „Diemersch Vogtey“ (Bezeichnung im Akt von 1717), des Hoor/Diemer Wilhelm, nicht alle den Hof verlassen müssen.

Den Schreiber aber hat die „Vertreibung“ seiner Vorfahren vom Stockgut, das sie nahezu zwei Jahrhunderte für die „Viandener“ Herrschaft bewirtschaftet hatten, an folgenden Spruch erinnert, der, über dem Eingang eines alten Hauses in Bernkastel, auf die Vergänglichkeit jeglichen materiellen Besitzes verweist:„ Dies Haus ist mein und doch nicht mein. Der vor mir dachte, es wäre sein. Er zog aus und ich zog ein. Nach meinem Tod wird es wieder so sein.“

Was von uns bleibt, sind letztendlich unsere Gene. – Ihre Spur führt, dank moderner DNA-Tests, zurück in eine mehr oder weniger alte Familie und zur Region ihrer Wurzeln. Dieses Eindringen in die Vergangenheit ist heutzutage besonders leicht durchführbar, wenn man sich dauernd an die Vorfahren väterlicherseits halten kann. Und diese Chance gedenkt der Schreiber zu nutzen, trägt er doch immer noch (wie laut „Luxemburgischer Familiennamenatlas“ 55 andere Luxemburger) den orthographisch leicht abgewandelten Nachnamen Dimmer (von Dimer/Diemer), der bereits in vorchristlicher Zeit, wahrscheinlich in der Pfalz, entstanden ist.
Albert Dimmer
Email:
dial(at)pt.lu Photos: A. D.

*) Norbert Meyer: „Aus der Heemicht“, Heft 16/2005, Verein für Heimatkunde in der Verbandsgemeinde Neuerburg, e.V.
**) Laut Werner Naumann in „Familienbuch Mettendorf“, 1992, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft für Landesgeschichte und Volkskunde im Trierer Raum, sind die seinerzeit in Halsdorf gebräuchlichen Nachnamen Diemer, Diemerß, Dömers, Dümer und Dümers dem Stockgut Diemer zuzuordnen.
Vom alten Diemer-Stockhof in Halsdorf besteht heute nur noch der Kellereingang




Das „Metzen-Kreuz“ an der Olsdorfer Straße bei Halsdorf, welches an den „Koltermord“ von 1777 erinnert, als ein Bauer seinen Nachbarn wegen Grenzstreitigkeiten mit einem Pflugmesser erschlug





Schon um 1600 war in Halsdorf ein zweites Diemer-Stockgut (Dimerhans) geschaffen worden. Auf dem Keilstein des Eingangsportals von 1786 (Umbau) liest man den Namen Matias Dimerhans



 

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