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Diemer im Deutschen Orden
  
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Diemer im Deutschen Orden
Aus einer im Jahre 1190 von Lbecker und Bremer Kaufleuten gegrndeten Hospitalgemeinschaft, welche sich wie die Tempelritter und Johanniter der Pflege verwundeter und erkrankter Kreuzritter und Pilger im Heiligen Land widmeten, war 1198 ein eigenstndiger Ritterorden entstanden. Der Sitz des Hochmeisters befand sich in der Stadt Akkon; Ordenszeichen war ein schwarzes Balkenkreuz auf weiem Mantel.
Nach dem Verlust der Heiligen Sttten und der Vertreibung der Kreuzritter wurde der Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens 1291 nach Venedig verlegt. Dann nach Marienburg in Westpreuen, wo die Deutschritter als Kolonialherren auftraten. Nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg, 1410, wurde Knigsberg zum neuen Hauptsitz des Ordens auserkoren. Und von dort, gings, nach der Skularisierung des Deutschordens-Staates im Baltikum, 1525, nach (Bad-)Mergentheim (Dienstsitz von 1526-1809) im jetzigen Baden-Wrttemberg. Heute ist der Deutsche Orden eine rein religise Vereinigung; seit 2010 ist Wien Sitz ihres Hochmeisters.
Gem dem aktuellen Wissensstand des Schreibers, tauchten die ersten Diemer mit Beziehungen zum Deutschen Orden denn auch im Rhein-Main-Neckar-Gebiet auf. Im 15. und 16. Jahrhundert waren dort erstaunlich viele Vertreter jener Familie Mitglieder des Deutschen Ordens. Darunter gar einige Komture (Befehlshaber ber einer Niederlassung), wie beispielsweise Jorg (Georg) Diemer, Komtur zu Vierentzberg (Virnsberg), um 1473*, Alexius Diemer, auch Komtur zu Virnsberg, um 1545, derselbe Alexius Diemer, Komtur zu Heilbronn, um 1548, sowie Aloysius Diemer, ebenfalls Komtur zu Heilbronn, 1559-1562.
Zu den Aufgaben eines Komturs, gehrte die Vermgensverwaltung einer Kommende. Auerdem unterstanden seiner Obrigkeit, laut Wikipedia, Befugnisse wie Landverleihung, Steuerwesen und Gerichtsbarkeit.

Diemer-Komture in Heilbronn
An den Komtur ALEXSIUS DIEMER erinnert in Heilbronn dessen in Stein gemeieltes, an einem Gewlbe des 1546-1548 erbauten Staffelgiebelhauses dasselbe gehrt zum Komplex des Kleinen Deutschhofs, der von Gebulichkeiten des Anfang des 18. Jahrhunderts entstandenen Groen Deutschhofs umgeben ist. Auf besagtem Wappen ist, vor dem Kreuz des Deutschen Ordens, der Hut des Komturs abgebildet; darunter liest man seinen Namen und seinen Titel KOMET DER + 3 (?) HALBRUN + (Zeichen: Unterschrift?); das Wappen ist zudem mit der Jahreszahl 1548 versehen. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass Alexius (auch Alexis genannt) Diemer das im selben Jahr fertig gestellte Staffelgiebelhaus erbauen lie.
Dokumente bezglich der Geschichte der Heilbronner Kommende sowie der Herkunft der Diemer-Komture sind allerdings kaum noch erhalten, denn whrend des Deutschen Bauernkriegs von 1525 hatten Aufstndische den Deutschhof erstrmt und alle Verwaltungsunterlagen vernichtet: sie hatten dieselben kurzerhand in einen Bach geworfen.
Wegen des entstandenen Schadens verlangte der damalige Komtur Wiedergutmachung von der Stadt Heilbronn (20.653 Gulden), weil man den Bauern anscheinend ohne Not die Stadttore geffnet hatte. Der aus dieser Forderung resultierende Rechtsstreit zwischen Deutschhof und Stadt sollte sich ber Jahre hinziehen.
Und es ist denn auch vor allem den im Staatsarchiv Ludwigsburg des Landesarchivs Baden Wrttemberg aufbewahrten Dokumenten, bezglich hnlicher Rechtsstreitigkeiten, Abmachungen, Schenkungen etc. zu verdanken, dass die damaligen Diemer-Komture nicht in Vergessenheit geraten sind. Hier eine Auswahl von Eintrgen unter Deutscher Orden: Kommende Heilbronn:
Bestand B 329 b B 7: Das strittige Neckarbauwesen: Konzepte und Abschriften, meist aus der Zeit des Komturs Alexius Diemer und Herzog Christophs von Wrttemberg, 1486-1588.
Bestand B 290 B 348: Appellationsprozess am Hofgericht in Mergentheim zwischen Abt Sebastian von Schntal einerseits und Alexius Diemer, Komtur zu Heilbronn, Jacob Haug, Brgermeister zu Wimpfen, und Brgern von Neckarsulm andererseits wegen Gterverschreibungen auf der Mhle zu Neckarsulm; 1560 Urteil des Hofgerichts Mergentheim.
Bestand A 419 B 18: Streit zwischen der Herrschaft Wrttemberg und Volmar Lemlin zu Horkheim wegen Verkaufs eines Fischwassers im Neckar an Komtur Alexius Diemer zu Heilbronn sowie zwischen diesem und der Stadt Heilbronn wegen Erbauung eines Wehres, 1559-1564.
Die Diemer-Familie stellte in Heilbronn jedoch nicht nur Komture, sondern auch Richter als solcher besiegelte ein Klaus Diemer, gemeinsam mit seinem Amtskollegen Eberhard von Finsterlohe, am 21. April 1452 einen Schenkungsvertrag und Brgermeister. Diese gehrten allerdings nicht dem Brgertum der Stadt an, da die Familie um 1482 wohl noch nicht als alteingesessen galt, als ein anderer (?) Claus Diemer, als Vertreter der Gemeinde (nichtpatrizische Kaufleute, Geldhndler und Vertreter der Handwerker), gemeinsam mit Ludwig Gerach (fr die Brger) die Geschicke der Stadt Heilbronn leitete. Dieselbe hatte nmlich von 1371-1551 zwei Brgermeister, und die wurden von je 13 Vertretern der Brger und der Gemeind, insgesamt also 26 Stadtrten, gewhlt und walteten gemeinsam ihres Amtes. Als nchster Diemer-Brgermeister amtierte 1525 Hans Diemer zusammen mit Caspar Berlin. Es folgte ihm fr die Jahre 1527, 1529 und 1531 Georg Diemer mit, als Partnern im Brgermeisteramt, Caspar Berlin, Peter Kistenmacher und nochmals Peter Kistenmacher.

Die Frankfurter Patrizier-Familie Diemer
Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass die Heilbronner Diemer aus Frankfurt a. M. stammten. Denn in Grndlicher Bericht vom Ursprung de Teutschen Ritter=Ordens von 1680 erwhnt Johan Gaspar Venatorn, in Zusammenhang mit besagtem Orden, die Anwesenheit eines Alexius Diemer zu Frankfurt auf dem Reichstag von 1566, als Mitglied eines Ausschusses, der sich mit Belangen des Deutschen Ordens zu befassen hatte. Demnach drfte Alexius Diemer, nach seiner Zeit als Komtur in Heilbronn, nach Frankfurt zurckgekehrt sein. Und dort gab es bereits vor 1340 mindestens eine Patrizier-Familie, die den Namen Diemer trug. Dies geht hervor aus dem Beitrag zur Geschichte der lteren und neueren Verfassung der Reichs=Stadt Frankfurt, herausgegeben 1806 von J. E. Gaudelius. In Band 1, S. 10 heit es: Nicht weit von dem deutschen Haus ist der bekannte Gleische Hof und Haus, welches jetzt den Herren von Frankenstein (bei Diemerstein d. R.) gehret.
Die Evangelisch=Lutherische Kirche in Sachsenhausen, heit die hl. 3 Knigs=Kirche, zu deren Ehren sie 1340 errichtet worden. Ihr Stifter war Heinrich Diemer, Ptricius in Frankfurt, der auch 1342, da das Gebude der kirche schon vollendet, die Einweihung persnlich verrichtete, und vier Jahre darauf darinnen begraben ward.
Aber schon fast ein Jahrhundert zuvor hatte, Canonicus Baldemar von Peteweil in Beschreibung der Kaiserlichen Stadt Frankfurt a. M., aus dem XIV, Jahrhundert, geschrieben, dass die Wittwe Diemer 1250 dem (Deutschen) Orden ihre ansehnliche Hofraithe vermacht habe und dass aus dieser Stiftung die beiden Kapellen der h. Maria und Anna auf der Trappanei und der h. Elisabeth an der Strasse erbaut worden seien.**
Abgesehen von prominenten Diemern im Deutschen Orden oder Wohlttern, die den Orden reichlich beschenkten, gab es in dessen Dunstkreis auch solche, die im Clinch mit den frommen Herren lagen. So wurde beispielsweise unter B 328 B 234 / Landesarchiv Baden-Wrttemberg eine Strfliche Ablegung der Untertanenpflicht bei dem ttingenschen Pfleger zu Mnchsrot durch den Deutschordensuntertan Kaspar Diemer zu Eck wegen einer innehabenden jenseitigen Brausttte zu Dambach (1659) festgehalten. In anderen Worten, der Kerl hatte am falschen Ort schwarz Bier gebraut, ohne seine Kommende am Gewinn teilhaben zu lassen.
berhaupt wird in baden-wrttembergischen und hessischen Geschichtsbchern von so manchen Missetaten berichtet, die von Diemern mit und ohne von und zu verbt worden sein sollen. Davon mehr in einem weiteren Beitrag.
Albert Dimmer
Email:
dial(at)pt.lu
Photos: A. D. (2); Peter Schmelzle (1) / Diemer/Wappen (Wikipedia: Deutschhof Heilbronn)

*) Geht hervor aus: Gegenbrief des Johannes Gnter, Kleriker der Dizese Wirtzburg, fr Jorg Diemer, Komtur zu Vierentzberg, ber die ihm verliehene Pfarrei Rudeltzhouen vom 22. Oktober 1473 (StArchiv-N, Rep. 205-0 Ritterorden Urkunden, Nr. 5468).
**) Der Autor beruft sich auf Kirchner Gesch. I 234.

Wappen des Komturs Alex(s)ius Diemer am Staffelgiebelhaus des Deutschhofs in Heilbronn.



Grabkreuz des ehemaligen Diemer-Stockguts in Halsdorf: An der Schnittstelle der Querbalken wurde das Kreuz des Deutschen Ordens eingraviert. Das Kreuz stand ursprnglich, als Halsdorf noch keinen eigenen Friedhof hatte, in Mettendorf.

ber dem Namen der A. Maria Diemer in Waltenheim-sur-Zorn (Elsass) verweist das Ankerkreuz des Johanniter-Ordens auf eine eventuelle Mitgliedschaft der Familie in demselben. Der Johanniter-Orden bestand schon vor dem Deutschen Orden, dessen Satzungen praktisch identisch sind mit denen der Johanniter.
 

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