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DIE DIEMER / DIMMER
  
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DIE DIEMER / DIMMER
Nachkommen einer fränkischen Familie

Vorwort

Als langjähriger Mitarbeiter von Tageszeitungen bzw. Wochenmagazinen, hat der Schreiber weitgehend das ungeschriebene Gesetz befolgt, die eigene Person nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern möglichst neutral und objektiv seine Beobachtungen zu Papier zu bringen, ohne jedoch auf eine eigene Meinung zu verzichten, wenn – wo auch immer – Werte wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit mit Füßen getreten wurden.
Unsinnig aber schiene mir das Unterfangen, die Geschichte der eigenen Familie (so weit sie mir derzeit bekannt ist) niederzuschreiben als ein vorgeblich Unbeteiligter. – Die Leser der folgenden Kapitel mögen mir daher nachsehen, dass dieses Vorwort zu einer Reihe von Beiträgen über die Diemer/Dimmer-Familie in der Ich-Form verfasst worden ist.
Wozu überhaupt ein Vorwort? – Nun, die Familie, deren Namen (Dimmer) ich trage, war lange Zeit wie abgekapselt von der deutschen Verwandtschaft, jenseits von Our und Sauer, weil mein Ur-Urgroßvater Johann Dimer 1830 von Olmscheid, der Liebe halber, nach Untereisenbach gekommen war, um sich danach mit seiner Ehefrau Magdalena Turmes in Wahlhausen (Hosingen) niederzulassen.
In meinem Elternhaus erzählte man sich aber auch, besagter Johann habe nach 1815, als der westliche Teil der Eifel, der Jahrhunderte lang zum Herzogtum Luxemburg gehört hatte, nach der definitiven Niederlage der napoleonischen Truppen, an Preußen fiel, partout „Luxemburger“ bleiben wollen. Und deshalb habe er die nun zum Grenzfluss gewordene Our überquert. Die meisten Dimmer aber blieben auf der anderen, der nunmehr preußischen Seite. Und so kam es, dass in den beiden Weltkriegen Nachkommen dieser Dimmer erst für Kaiser Wilhelm II. und dann für Adolf Hitler in den Kampf ziehen mussten. Und spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg dürften die meisten luxemburgischen Dimmer in ihren deutschen „Vettern“ nur noch „houer Preisen“ (Sau-Preußen) gesehen haben, mit denen man nichts zu tun haben wollte.
Mitten im letzten Krieg wurde ich als Albert Johann Dimmer, am 12. September 1942, in Heffingen, in einer Familie geboren, die nicht die Gewähr bot: Niemand hob die Hand zum Deutschen Gruß, und mein 11 Jahre älterer Bruder hatte der Hitler-Jugend nicht beitreten dürfen. Er besuchte die Hauptschule in Fels (Larochette) und versäumte eines Tages, den dortigen Ortsgruppenleiter mit einem zackigen „Heil Hitler!“ zu grüßen. Dies hatte zur Folge, dass er um den Dorfplatz „Op der Bleech“ hatte robben müssen. Anschließend wurde er für die Hitler-Jugend zwangsrekrutiert und musste von da an auch ein Abzeichen mit dem Hakenkreuz tragen (er schenkte dasselbe im Herbst 1944 einem der in unserem Haus einquartierten amerikanischen GIs).
Und dann kamen eines Tages Kanadier, die Besatzung eines über dem „Marscherwald“ abgeschossenen Bombers, die Dorfstraße herunter, an unserem Haus vorbei. Meinen Bruder, der ein wenig Englisch konnte, fragten sie, wo sie eventuell untertauchen könnten. Er schickte sie zu einem Nachbarn, Nicolas W., der ihnen dabei behilflich sein sollte.
Doch dann kreuzte die Gestapo bei uns auf, um meinen Bruder zu vernehmen. Nicolas W. aber wurde verhaftet und in ein Konzentrationslager verschleppt, das er glücklicherweise überlebte.
Meinen Vater brachte man zum Verhör nach Luxemburg, in die berüchtigte „Villa Pauly“. Er sei kreidebleich gewesen, als er abends nach Hause kam, erzählte später meine Mutter. Bis an sein Lebensende erfuhren wir nicht, was in besagter Villa, dem Sitz der Gestapo im besetzten Luxemburg, vorgefallen war.
Kurz vor der Befreiung Luxemburgs durch die Amerikaner, Ende August / Anfang September 1944, hatte der Ortsgruppenleiter von Heffingen, Jacques W., unsere Familie ganz oben auf eine Liste deutschfeindlicher Elemente gesetzt, die ins Konzentrationslager Hinzert zu verbringen waren. Als jüngstes Mitglied der Familie – ich war damals 2 Jahre alt – müsste ich daher als Nummer 5 auf besagter Liste figuriert haben.
Unser Reisegepäck war zur Abfahrt bereit, als quasi in letzter Minute die Amerikaner die deutschen Besatzer vertrieben und meine Mutter die Koffer wieder auspacken konnte.
Brenzlig wurde unsere Lage nochmals während der Rundstedtoffensive, als die Deutschen bis oberhalb Christnach, nur eineinhalb Kilometer von Heffingen entfernt, vorgedrungen waren. Hätten sie unser Dorf eingenommen, wäre die vom Ortsgruppenleiter erstellte Liste gewiss schnell wieder aufgetaucht ...
Nach dem Krieg, 1946, zog meine Familie zurück ins Ösling, nach Bockholtz (Hosingen), ins Elternhaus meiner Mutter.
Allen Deutschen gegenüber waren wir feindselig eingestellt. Ich wurde von klein auf als Deutschen-Hasser erzogen, und als eine Flüchtlingsfamilie aus Pommern (Stettin), in die leer stehende Wohnung des Kaplans einzog, durfte ich mich zwar auf Luxemburgisch mit deren Kindern verständigen, nicht jedoch auf Hochdeutsch: Als ich das einmal versuchte, und meine Mutter dies mitbekam, wurde ich zu Hause fürchterlich ausgeschimpft. Dabei hatten wir in der Schule ja Deutsch als eines der Hauptfächer ...
Die Grenze zu Deutschland war in den Nachkriegsjahren bekanntlich überaus streng bewacht, und die deutschen Zöllner kontrollierten nicht weniger streng als ihre luxemburgischen Kollegen. Vom damaligen Wahnsinn an der Grenze berichtete die Cineastin Geneviève Mersch in einem Kurzfilm über die geteilte Ortschaft Eisenbach an der Our (diesseits Untereisenbach und Obereisenbach, jenseits Übereisenbach): Während der unmittelbaren Nachkriegsjahre hatten die Familien aus Übereisenbach, deren Tote auf dem Friedhof von Untereisenbach beigesetzt wurden, den Sarg mit dem/der Verstorbenen bloß bis zur Mitte der Brücke über die Our begleiten dürfen. Nur ganz nahen Verwandten wurde das Recht zugestanden, Luxemburger Boden zu betreten und an der Beerdigung ihrer Toten teilzunehmen. Und selbstverständlich durften auch die Nachbarn der Verstorbenen diese nicht zum Friedhof begleiten.
Noch 1965/66 – ich wirkte damals als junger Lehrer im Grenzort Rodershausen – wurde an der Zollstation Dasburg-Brücke streng kontrolliert. Des Öfteren fuhr ich nach Dasburg, um im Gasthof Schmitz einzukehren, und meine Papiere wurden jeweils, vor allem von den deutschen Zöllnern (die luxemburgischen kannten mich nach einigen Wochen), akribisch begutachtet.
Der sympathische Herr Schmitz erzählte mir einmal folgende Anekdote: Seine damals sechzehnjährige Tochter badete im Sommer gern in der Our, nahe dem Grenzübergang. Einmal hatten die deutschen Zöllner beobachtet, dass sie dabei die Mitte des Flusses, und damit die Grenze zu Luxemburg, überquert hatte. Und nun verboten sie ihr die „Wiedereinreise“ nach Deutschland, da sie keine Papiere vorzeigen konnte. Ihre Kleider lagen ja auf der deutschen Seite und ohnehin war sie wahrscheinlich ohne Ausweis zum Baden an die Our geradelt. – Nur mit viel Überzeugungsarbeit gelang es schließlich Herrn Schmitz, seiner Tochter die Rückkehr zu ermöglichen.
Über die folgenden Jahrzehnte hinweg wandelte sich des Schreibers negative Einstellung den Deutschen gegenüber zu einer eher positiven, nicht zuletzt dank deutschen Freunden, die bis vor einigen Jahren in Luxemburg lebten.
Auf familiärer Ebene begann man nach Verwandten auf der deutschen Seite zu suchen, und die taten dasselbe. Familientreffen mit Dimmern von diesseits und jenseits der deutsch-luxemburgischen Grenze wurden organisiert, und bis zum März 1995 hatte mein Bruder Jean einen Dimmer-Stammbaum fertiggestellt, auf dem bereits der 1716 geborene Johann Diemer aus Enzen figuriert, welcher allerdings nicht von dort, sondern aus Halsdorf stammte.
Im Halsdorfer Vogteigut „an Diemisch“, welches bereits 1576 erwähnt wurde, habe ich daher auch mit meinen Nachforschungen begonnen und mich in nachfolgenden Beiträgen mit der Diemer-Familie in Deutschland und im nördlichen Elsass befasst.
Teilweise konnten dabei direkte verwandtschaftliche Beziehungen – auch zur Familie Diemar (Diemer ist eine Variante dieses Nachnamens) – nachgewiesen werden, doch bleibt in dieser Hinsicht noch viel zu tun.
Vor etlichen Monaten kontaktierte mich ein passionierter einheimischer Ahnenforscher, der herausgefunden hatte, dass wir beide weitläufig verwandt sind: „Ich bin überzeugt, dass wir alle hier im Land (zumindest die Stock-Luxemburger) „Vettern“ sind.“ Und er verweist dann auf eine Passage in Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ (Harras), in der derselbe Hartmann gegenüber launisch meint: „Denken Sie doch – was kann da nicht alles vorgekommen sein in einer alten Familie. Vom Rhein noch dazu. Vom Rhein (dort liegt auch das Epizentrum des Diemer-Vorkommens, d. R.). Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas! ... Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flößer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsass, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und der Mathias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt wie das Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein, das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel ...“
Ach ja: Auch auf nicht wenige Angehörige der Diemer-Familie(n) mit einem „von“ bzw. „zu“ vor oder auch oft hinter dem Nachnamen bin ich bei meinen Nachforschungen gestoßen, habe dabei jedoch in Erfahrung gebracht, dass dieses Prädikat nicht automatisch eine Adelszugehörigkeit bedeutet. Nur im Falle der Diemer-Mitglieder im „Deutschen Orden“ werden dieselben beispielsweise vom „Institut Deutsche Adelsforschung“ als echte Blaublütige anerkannt. Für die (von) Diemar gilt dies ohnehin. Und dann gab’s auch noch etliche Edelknechte und kleine Landadlige, Freiherren, die sich manchmal Narrenfreiheit herausnahmen.
Da imponieren mir schon eher jene Vertreter der Diemer-Sippe, die dem intellektuellen Adel angehörten, und dazu – neben vielen mehr oder weniger hochgestellten Klerikern – einige freie Denker, die als wahre freie Herren in Erscheinung traten.
Albert J. Dimmer
Albert Dimmer
Email:
dial(at)pt.lu
Photo: A. D.




Des Schreibers Geburtshaus in Heffingen, Mitte der 1940er Jahre. Dasselbe ging 1963 in andere Hände über.




Die FAMILIE DIEMER/DIMMER

Direkte Vorfahren väterlicherseits von
DIMMER, Perry / DIMMER, Caroline / DIMMER, Diane / DIMMER, Marianne +

DIMMER, Albert Johann, * 12.09.1942, Heffingen, L. / D., Léonie + / D., Jean
oo 27.12.1966, Eschdorf/Heiderscheid, L.
REDING, Mathilde, * 17.04, 1943, Eschdorf, L.

DIMMER, Charles, * 28.07.1901, Wahlhausen, L., + 07.09.1962, Bockholtz/H., L.
oo 02.06.1930, Hosingen, L.
KNEIP, Marguerite, * 25.08.1908, Hollerich, L., + 07.11.1979, Ettelbrück, L.

DIMMER, Jean, * 14.01.1863, Wahlhausen, L., + 10.12.1938, Wahlhausen, L.
oo 13.09.1893, Hosingen, L.
DEISGES, Marguerite, * 29. 03. 1871, Gralingen, L., + 19.02.1945, Heffingen, L.

DIMMER, Peter, *12.11.1833, Untereisenbach, L., + 25.02.1897, Wahlhausen, L.
oo 08.01.1862, Hosingen, L.
MEYERS, Marguerite, * 09.03.1837, Untereisenbach, + 27.02.1920, Wahlhausen, L.

DIMER, Johann, * 10.12.1801, Olmscheid, D., + 20.03.1859, Wahlhausen, L.
oo 10.01.1830, Hosingen, L.
TURMES, Magdalena, * 05.04.1807, Untereisenbach, L., + 12.02.1873, Wahlhausen, L.

DIEMER, Jakob, * 09.12.1756, Enzen, D., + 24.01.1817, Olmscheid, D.
oo 15.02.1790, Olmscheid, D.
ZINNEN, Anna, * 07.10.1770, Olmscheid, D., + 02.04.1826, Olmscheid, D.

DIEMER, Johann, * 26.07.1716, Halsdorf, D., + 23.05.1787, Enzen, D.
oo vor 1752
GASBER/CASPAR, Anna, * um 1718, Enzen, D., * 09.05.1783, Enzen, D.

DIEMER, Mathias, * um 1686, Halsdorf, D., + 05.03.1755, Halsdorf, D.
oo vor 26.07.1716
LENTZEN, Anna Maria, * um 1689, Nattenheim, D.

1576: erste nachgewiesene Erwähnung des Vogteiguts DIEMER in Halsdorf 

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