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Niederländische Dimmer
  
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Niederländische Dimmer
im Dienste des Hauses Oranien-Nassau

Erster Vertreter der Dimmer-Familie in den Niederlanden, der in Urkunden Erwähnung findet, war, nach dem aktuellen Wissensstand des Schreibers, ein Jan Dimmer, der Anfang des 16. Jahrhunderts geboren wurde und 1561 in `s-Gravenhage (Den Haag) als Anwalt, gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Jan (Johan) van Nordingen dem Älteren, am „De Plaats“ in Den Haag eine Schreibstube (Anwaltskanzlei) betrieb. Über die Van Nordingen und die Dimmer schreiben die Autoren „Hoogsteder & Hoogsteder“ (Internetplattform „kunstpedia“): „Both the Van Nordingen and Dimmer families moved in court circles. Dirck van Nordingen, for instance, was an agent of the Count of Oost-Friesland and one of Sara Dimmer’s (Tochter von Jan Dimmer) brothers, Erik, served as an advisor to Prince Maurits, and as both advisor and steward to Mary, Countess of Nassau, wife of Count Philip of Hohenlohe.“ Erwähnt wird dann der niederländische Maler Gerrit van Honthorst (1592-1656), von dem es heißt: „Honthorst was not only linked to the same social milieu as the Van Nordingens and Dimmers but was also their co-religionist. Both families were Roman-Catholic ...“
Auf der Internetplattform „Sennewini“ erfährt man unter dem Titel „Familie Dimmer, deel 1“ ebenfalls dass „Mr. Jan Dimmer waas advocaat te `s-Gravenhage (1561) aan de Vijverberg.“ Er sei dann aber am 6. November 1571 verzogen, um das Amt des Staatsanwalts zu übernehmen. Und 1576 habe er noch als Generalstaatsanwalt von Friesland amtiert.
Doch stand er zu dieser Zeit leider auf der „falschen“ Seite: „Hij stond aan de Spaanse zijde.“ Es wird daran erinnert, dass er 1569 Berater des Herzogs „Erik van Brunswijk“ war, eines guten Katholiken, der im Dienste der spanischen Krone stand. Und weil auch Dimmer auf spanischer Seite blieb, wurden seine Güter konfisziert und der Erlös im Jahre 1580 benutzt, um die Befestigungsanlagen von Heusden auszubauen. – Sein (ältester) Sohn, Eri(c)k Dimmer, hat noch versucht, die beschlagnahmten Güter zurückzuerlangen. Aber man überließ ihm, laut A. J. van der Aa (siehe „Biographisch woordenboek der Nederlanden“. Deel 4, S. 175), lediglich das Haus „Op de Plaats“ in Den Haag und ein Hofgut bei Bodegraven, mit der Auflage, sich als ein „goed patriot“ zu verhalten. Ferner, so Van der Aa, tauche er auf als Berater von Maria von Nassau, der Witwe des Grafen Philipp von Hohenlohe, in Briefen, die sie zwischen 1606 und 1615 geschrieben hat.
Dimmer’s Beziehungen zum Haus Hohenlohe aber scheinen von manchen Zwistigkeiten getrübt gewesen zu sein: Im Landesarchiv Baden-Württemberg, Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, finden sich unter: Bestand La 165, Notizen über u. a.: „Rechnungen und Extrakte aus Rechnungen des Advokaten Erich Dimmer über die Verwaltung des hohenlohischen Hauses in Delft, 1606-1608“ (La 165 Bü 66). Zudem ist die Rede von: „Forderungen des Ratsherren Erich Dimmer und seiner Erben an Graf Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg bzw. seine Erben wegen der Verwaltung des Hauses in Haag und der Herrschaft Woerden; Abschluß eines Vergleichs“ im Jahre 1641, nach Auseinandersetzungen, die, mit Unterbrechungen, jahrzehntelang gedauert hatten (La 165 Bü 77). Vorausgegangen waren diesem Vergleich schon diverse Geplänkel. So liest man z.B.: „Die Staaten von Zeeland übertragen dem Grafen Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg die von seinem Onkel Graf Philipp von Hohenlohe-Neuenstein ererbten Zehnten von Nordbeveland und Oresande und schlichten einen darüber entstandenen Streit (30.6.1612). – Steven Tenys, Peter Willemsen Oostdyck und Johann Pieter Maertssen, Lehnsmänner der Gräflichkeit Zeeland, bestätigen den Anspruch des Erik Dimmer als Bevollmächtigten des Grafen Philipp Ernst auf den verpfändeten Zehnten in Nordbeveland und Oresande“ (4. Juli 1612 / La 165 U 28).
Im Jahre 1965 veröffentlichte ein Herr Belonje einen „Genealogie Dimmer, Ons Voorgeslacht“ überschriebenen Artikel, der von der bereits erwähnten Internetplattform „Sennewini“ übernommen wurde, und in dem die Nachkommen Jan Dimmer’s und seines ältesten Sohnes Eri(c)k aufgelistet sind. - Der Schreiber versucht, die Angaben über die genannten Familienmitglieder möglichst korrekt aus dem Niederländischen zu übersetzen:
Mr. Jan Dimmer, verheiratet mit Persijn (Vorname nicht bekannt). Aus dieser Ehe gingen hervor
- Erik Dimmer
- Sara Dimmer (oben erwähnt), verheiratet Mit Johan van Nordingen.
- Emerentiana Dimmer, verheiratet mit Joris Jacobsz del Mol, „tafelhouder“ (Bankier?).
- Dirk Dimmer, Anwalt am holländischen Hof.
Mr. Erik Dimmer, verheiratet mit Tiete (Dorothea) Duyn, Tochter von Jan Duyn Cornelis de Vlaming. Aus dieser Ehe gingen hervor:
- Johan Dimmer, unverheiratet.
- Wilhelm Dimmer, Rentmeister der Baronie van Ijsselstein, verheiratet mit Elisabeth van der Linden van Lambrook. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor.
- Gijsbrecht Dimmer, Anwalt am holländischen Hof, heiratete 1609 Johanna Rosenburg, zog von Den Haag nach Steenbergen. Er hatte viele (10) Kinder ...
- Johanna Dimmer, verstorben 1661 in Florenz; sie war verheiratet gewesen mit Thaddeo de Vico, Botschafter in Venedig.
- Cornelis Dimmer, Kapitän, verstorben 1642.
- Pieter Dimmer, Kapitän, verheiratet in erster Ehe mit Catharina Bacx, in zweiter Ehe mit Gertruijd van Dorp. Aus dieser Ehe ging ein Sohn (Jan) hervor.
- Dirk Dimmer, Leutnant, dann Kapitän, verheiratet in erster Ehe mit Catharina de Gruijtere (ein Kind) und in zweiter Ehe, 1626, mit Anna von Ar(c)kel. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Ein Sohn trug den Vornamen Willem.
- Hillegond Dimmer.
Über Gijsbrechts Enkelin Arnolda Theresia Dimmer, ist im „Nieuwe Nederlandsch biografisch woordenboek“, deel 8, S. 397*, von den Autoren P.J. Blok und P. C. Molhuysen festgehalten, dass sie am 4. März 1650 in Halsteren geboren wurde und am 5. Februar 1713 als „meesteres“ (Vorsteherin) des Beginenhofes („begijnhof“) von Antwerpen verstarb. Und es kann wohl kein Zufall sein, dass der niederländische Bildhauer Willem Kerrickx (1652-1719) für die Kirche des erwähnten Beginenhofes eine Statue des Hl. Josef geschaffen hatte, die über einer Marmortafel mit der Grabinschrift für die Dame Dorothea Dimmer (wahrscheinlich eine nahe Verwandte von Arnolda Theresia) aufgestellt ist.
Arnolda Theresia Dimmer war eines der 10 Kinder von „advokaat jhr.“ (jonkheer – im Gegensatz zu „van“ ein niederländisches Adelsprädikat) Willem Dimmer, welcher am 15. September 1641, vor dem Pastor von Halsteren Elisabeth Schalck aus Bergen op Zoom geheiratet hatte. Willem Dimmer war um 1625 „drossaard“ (ehemaliger niederländischer Steuerbeamter) in Steenbergen, wo er nach seinem Tod auch begraben wurde, am 12. Oktober 1637.
Den jüngsten Sohn von Erik Dimmer, Dirk Dimmer, sollte es auf das Schloss des Fürstentums Oranien in Orange (Südfrankreich) verschlagen, denn er hatte 1622, als Protestant, die Katholikin Catharina de Gruyter(e)** van Dirksland geheiratet, eine Nichte von „Jean de Hertoghe d’Orsmael, seigneur de Valkenbourg ... lieutenant-gouverneur-général pour le prince d’Orange“. Als dem Paar 1623 ein Sohn, J(e)an, geboren wurde, übernahm der berühmte Onkel denn auch die Patenschaft, und als Patin fungierte die Dame „Cathérine de Meyant, femme du sieur d’Etrois, seigneur de Hanetmote, lieutenant au gouvernement du château d’Orange“. Die Taufe fand am 19. Februar 1623 im „temple protestant dit de St. Martin“ statt. – In Orange hatte man Dirk Dimmer’s Vornamen übrigens in „Thierry“ umgewandelt, und aus Dimmer war über Nacht der adlig klingende Nachname ... d’Immer entstanden. Vielleicht, um ihn für den verlorenen, da in Frankreich unbekannten, niederländischen Titel „jonkheer“ zu entschädigen ...
Jean Dimmer heiratete 1642 in Holland, wo sein Vater bereits 1626 eine zweite Ehe (siehe oben) eingegangen war. Im „Westfries Museum“ in Hoorn ist übrigens ein Portrait von Dirk Dimmer zu sehen.
Zur heutigen Verbreitung des Nachnamens Dimmer in den Niederlanden folgendes: Gemäß „Nederlandse Familiennamenbank“ lebte nach dem Zweiten Weltkrieg dort keine einzige Dimmer-Familie mehr, und 2007 trugen weniger als 5 Personen diesen Nachnamen. Dafür gab es 1947 aber immerhin 74 Dimmers, gewiss Nachkommen jener Dimmer, die Anfang des 16. Jahrhunderts erstmals in Erscheinung getreten waren. Sie hatten sich im Laufe der Zeit lediglich ein „s“ am Namens-Ende zugelegt, und ihre Zahl war 2007 auf 135 angestiegen.
Aber halt! – Neben den Dimmers waren in der Zwischenzeit auch Diemers aufgetaucht (1947: 67 / 2007: 100), mit größter Wahrscheinlichkeit Dimmer(s), die orthographisch zu Diemer(s) mutiert hatten.
So wie in der Eifel im 19. Jahrhundert aus dem Nachnamen Diemer Dimmer wurde (siehe den entsprechenden Beitrag), wurden viele holländische Dimmer(s) zu Diemer(s), die hauptsächlich in der Region Den Haag/Amsterdam und an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und zu Niedersachsen vorkommen. Erstaunlich, denn bis zur holländischen Grenze haben sich auch die deutschen Diemer ausgebreitet. – Bis zu ihren niederländischen Namensvettern oder gar blutsverwandten „Cousins“?
Eines hatten die Dimmer und die Diemer in vergangenen Jahrhunderten jedenfalls gemeinsam: Vertreter der „beiden“ Familien standen einst im Dienste des Hauses Oranien-Nassau.

Albert Diemer/Dimer/Dimmer
Email:
dial(at)pt.lu
Photos: A.D.

Photo:
Eingangspforte zum Antwerpener Beginenhof (Wikipedia)

* Herausgegeben von: Sijthoff, Leiden 1930
** „La principauté d’Orange de 1470 à 1580, tome 2, von Wilhelmus F. Leemans, Elisabeth Leemans
 

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